Friday, November 4, 2011

Drogen erschnueffeln einmal anders: Der Weg nach Ecuador

Ein Lebenszeichen! Genau zwei Wochen seit dem letzten Eintrag! Alle meine Vorsaetze, hauefiger mal was Neues zu schreiben fuer die Katz!

Aber warum schreib ich ueberhaupt ein Blog, anstatt euch persoenliche Nachrichten zu schicken? Weil ich das weniger aufdringlich finde? Weil ich ein grosses Mitteilungs- oder Geltungsbeduerfnis habe? Weil ich moechte, dass die ganze Welt mir zuschauen kann? Um meine Erinnerungen fuer mich selbst zu konservieren? Um anzugeben? Weil ich zeigen will, wie Web 2.0 ich bin? Um zu inspirieren? Um eure Lust am Reisen zu wecken? Um mit euch in Kontakt zu bleiben? Vielleicht ein bisschen von allem, denn ganz genau weiss ich das selber auch nicht, aber sitze mit einem breiten Grinsen vorm Rechner hier im Hostel im Quito, habe Spass beim Schreiben und hoffe, dass ihr auch Spass beim Lesen habt.

Gerade erst in Ecuador angekommen, bin ich auch fast schon wieder weg. In zwei Stunden fahr ich weiter an die peruanische Kueste nach Máncora, moechte euch aber haeppchenweise von alldem berichten, was mir berichtenswert erscheint. Hier kommt also der erste Happen.

Medellín - Ipiales - Otavalo in nur 30 Stunden
Lange Busfahrten sind fuer mich ja nichts Aussergewoehnliches mehr. Nach zweitaegigem Aufenthalt in Medellín (geplant war nur einer, aber ich habs geschafft, einen Bus zu verschlafen) wartete die Strecke Medellín - Ipiales auf mich. Die routinemaessigen Polizeikontrollen in der Pampa sind ja nicht neu, das aber schon: Der Beamte ging erstmal von vorne bis hinten durch den Bus, schuettelte allen PassagierInnen die Hand, wuenschte einen guten Abend, fragte nach dem allgemeinen Wohlbefinden und wollte erst danach die Ausweise sehen. Leider war das nicht der einzige Stopp. Mitten in der Nacht hielten wir auf offener Strecker, aus unerfreulichem Anlass. Zwei junge Maenner lagen neben dem Bus auf der Strasse, vor ihnen ein Motorrad. Einer davon mit Helm, aus dem Kopf blutend, ein anderer zehn Meter dahinter, den Unterarm um 90 Grad in die falsche Richtung gebogen. Unser Busfahrer rief den Krankenwagen, die beiden wurden (lebendig) abtransportiert und sind inzwischen hoffentlich wieder einigermassen wohlauf.

Mein hell erleuchtetes Gefaehrt. Links daneben Mateo. Viele Autos und fast alle Busse haben ganz viele bunte Blinklichter.
Huebsch und stilvoll eingerichtet. Gemuetlich. Dazu meistens Splatterfilme.
Sonnenaufgang. Nur noch wenige Stunden bis Ipiales, der Grenzstadt zu Ecuador auf kolumbianischer Seite. Dort steigt man am Busbahnhof aus dem Bus aus und hat erstmal ueberhaupt keine Ahnung wohin; es sei denn, man trifft zwei nette Kolumbianer (Mateo und Valentino) die sich mit einem das Taxi zur Grenze teilen. Dann versucht man Geld zu wechseln. Am besten bemerkt man rechtzeitig, dass der Taschenrechner des freundlichen Geldwechslers freundlich zum Geldwechsler ist und reisst ihm das eigene Geld schnell wieder aus der Hand, bevor er es einstecken kann.

Die naechste Huerde heisst Zoll. Weil Mateo Metal hoert, zudem auch noch aussieht, wie jemand, der Metal hoert, Valentino kurz rasierte Haare hat und die beiden aus Kolumbien kommen werden sie von den ecuadorianischen Grenzbeamten einer Sonderbehandlung unterzogen. Denn das kleine Einmaleins der Vorurteile sagt uns, dass aus Kolumbien genau drei Dinge kommen: Shakira, Kaffee und Drogen.

Der kleine dicke Zollbeamte traegt ueber einem fleckigen lila Spruch-T-Shirt eine netzartige Uniform. Er bittet uns freundlich in sein Revier, in dem der Putz von den Waenden abbrockelt und seine Kollegen im Nebenraum viel zu laut Radio hoeren. Dort beginnt er, das Paket der beiden kolumbianischen Jungs auseinanderzunehmen. (Strassen-)Hunde gibt es hier zwar jede Menge, aber scheinbar keine Drogenspuerhunde, also steckt er sein feines Naeschen in die Puppen, Baukloetze und Unterhosen hinein, soweit es geht, nimmt jeweils einen tiiiiiiefen Zug, ueberlegt kurz, ob er jetzt was erschnueffelt hat, schnueffelt ggf. ein zweites Mal und legt den fuer drogenfrei befundenen Gegenstand dann beiseite. Es scheint ihm Spass zu machen. Schliesslich duerfen Valentino und Mateo sich auch noch vor ihm nackig machen. Ich muss nicht. Bei mir will er nur kurz in mein kleines Taeschchen reingucken bittet mit Erstaunen um eine kurze Vorfuerhung des Kindle.

Wir ueberschreiten zu Fuss die Grenze. Auf der anderen Seite geht es wieder per Taxi ("cuatro dollaritos!" - in Ecuador haengt man einfach an jedes Wort -ito oder -ita an, dann klingts viel schoener) weiter, ins Grenzstaedtchen auf ecuadorianischer Seite, husch husch in den Bus und weiter bis Otavalo. Mateo und Valentino immer noch an meiner Seite, haetten wir nach zehn Minuten fast schon wieder aussteigen muessen. Die ecuadorianischen Antinarcóticos hatten an Mateos Impfpass(!) etwas auszusetzen und wollten ihn erstmal dabehalten, gegen eine sofort faellige "Gebuehr" in Hoehe von $10 (jener Art, fuer die keine Quittung ausgestellt wird) durfte er dann aber doch weiterfahren. Und ich den zweiten Sonnenuntergang in Folge hinter den Fensterscheiben eines Buses erleben.

 Valentino und ich. Da sind wir schon drin, in Ecuador.
In Otavalo, einem 50.000-Einwohner-Staedtchen noerdlich der Hauptstadt Quito, sprang ich aus dem Bus, flitzte in der Dunkelheit durch die Straesschen, auf die Suche nach einem billigen Hotel, fand ein billiges Hotel (das El Geranio) und war froehlich und voller Vorfreude auf die erste Nacht in Suedamerika, die ich in meinem ganz ganz ganz eigenen Zimmer mit eigenem Bad und eigenem Klo verbringen durfte. Am Tag darauf sollte ich Alfonso kennenlernen...

Und weiter?
Ueber das Leben mit einer Indio-Familie, wie man richtig Meerschweinchen isst, evangelische Pastoren in North-Face-Jacke und Baggy-Jeans und meinen kurzen Krankenhausbesuch in Quito gibt es dann beim naechsten Mal mehr, wenn es wieder heisst: a maetsches gucha musto.


Passt auf euch auf und habt ein schoenes Wochenende! (Und schickt mir den neuesten Gossip aus Stuttgart.)

Euer maetsches

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