Sunday, November 13, 2011

Wie man Meerschweinchen isst...

Alfonso und ich lernten uns auf dem Friedhof in Otavalo kennen. Ganz zufällig, wie das hier eben so passiert...

Hier posieren wir aber nicht auf dem Friedhof, sondern vorm Lago Cuicocha
Noch einmal: Lago Cuicocha
Alfonsos Frau lebt mit den beiden gemeinsamen Töchtern (14 und 15 Jahre alt) in Deutschland. Bis 2002 zusammen mit Alfonso. Alfonso wohnt jetzt in Otavalo, im Norden von Ecuador, unweit der kolumbianisch-ecuadorianischen Grenze. 2002 verließ er Deutschland. Eigentlich nur für ein oder zwei Wochen, um seine ecuadorianische Verwandtschaft zu besuchen. Aber die deutsche Botschaft verweigerte ihm die Rückreise nach Deutschland und trotz tausender US-Dollar für Anwaltshonorare (bei einem Mindestlohn von $240 im Monat!) hat Alfonso seine beiden Töchter seit 9 Jahren nicht mehr gesehen. Alles im Namen des Gesetzes. Seine Frau in Deutschland, mit der er (natürlich) noch verheiratet ist, hat inzwischen einen neuen Mann. Freund. Freundmann. Partner. Wie auch immer.

Matthias und Amir-Ayarik
Alfonso hat aber auch eine neue Freundin. Elena. Elena ist so alt wie ich, Alfonso ist 41. Und mit zusammen hat Alfonso das kleine knuffige Wesen, welches ihr auf obigem Bild bewundern könnt. Amir-Ayarik, zum Zeitpunkt der Aufnahme 6 Monate alt, sehr begeistert vom hellen Licht meiner Digitalkamera, mit unglaublicher Hartnäckigkeit beim Versuch, Milch aus meinem Finger zu zapfen und unermüdlich bei Hoppe-Hoppe-Reiter und beim Sich-durch-die-Luft-wirbeln-lassen.
Q chévere el niöo! Kinderfotos kann man gar nicht genug posten, finde ich.
Elena und Amir-Ayarik
Der stolze große Bruder Andy (7) mit seinem schwabbeligen Brüderchen
Während der Begriff indio für die Ureinwohner der Amerikas in Kolumbien eher diskriminierend benutzt wird (korrigiert mich gegebenfalls), bezeichnen sich die BewohnerInnen Otavalos ganz selbstverständlich als solche: indios. Wer bei der WM 2006 Spiele von Ecuador gesehen hat, dem wird aufgefallen sein, dass es auch eine substantielle schwarze Bevölkerung gibt, negros, eher an der Küste und auch in kleinen Teilen im Norden des Landes. Den größten Teil machen in Ecuador die mestizos aus, Menschen, die Nachfahren von Weißen (EuropäerInnen) und der indigenen Bevölkerung. 

Der Gringo zu Gast in La Compañia

So heißt das Dörfchen, in dem Alfonsos Familie wohnt und wohin Alfonso mich auch prompt eingeladen hat, nachdem wir uns ca. zwanzig Minuten kannten. Ich solle sie doch besuchen kommen und übernachten. Wow. Da hab ich Gänsehaut bekommen, aber mich natürlich auch riesig gefreut. Eine Stunde bevor ich Alfonso kennengelernt hab, war ich doch tatsächlich kurz davor eine Tour zu buchen, bei der man dann in bester Touristen-Manier verschiedene Indio-Familien und -betriebe besucht, sich alles anguckt, ein bisschen was erklärt bekommt und sich dann artig wieder verabschiedet, aber nur an der Oberfläche gekratzt hat und die Menschen nicht wirklich kennengelernt hab. Und eine Stunde später bin ich mittendrin. Am zweiten Tag machen wir eine gemeinsame Wanderung, abends war ich zum ersten Mal bei Familie Alfonso zu Besuch, den dritten Tag hab ich komplett dort verbracht und schließlich auch dort übernachtet. Übrigens in Andys Bett (der ist zu den Eltern ins Schlafzimmer gezogen), das mit 1,80m Länge fast groß genug für mich war, ich musste mich zum Schlafen also nur leicht krümmen.

Wir alle wissen: Fleisch kommt aus der Kühltheke im Supermarkt. 

Wer von euch hat schon mal ein Meerschweinchen gegessen? Ihr könnt euch denken, was jetzt kommt. Meerschweinchen gibts in Ecuador an jeder Straßenecke. Die schlimmsten Bilder hab ich nicht veröffentlicht, aber wer weiter der obigen Überschrift glauben will, der lese bitte nicht weiter.

Wie isst man also ein Meerschweinchen?

Ganz einfach. Man kaufe zwei Meerschweinchen. Lebendig, versteht sich, zum Preis von $5 (in Ecuador ist der US-Dollar offizielle Währung) das Stück. Große oder besonders gute kosten auch mal $10. Die zwei Meerschweinchen lasse man dann in einem Kartoffelsack auf der Terrasse stehen, in dem sie auch ihre Notdurft verrichten können und sich mental auf ihr nahendes Ende (Anhänger von Religionen mögen hier evtl. anderer Meinung sein) vorbereiten können. Parallel sichte man das Kaninchen und beobachte es beim Spielen mit seiner Freundin. Man überzeuge sich von seiner Leibesfülle. Man schicke die zwei Männer (Matthias und Alfonso) zum Kartoffeln holen. Zum Glück hat Elenas Vater einen Kartoffelacker. Natürlich fängt es an zu regnen, sobald Matthias und Alfonso das Feld betreten, um zur Ernte zu schreiten und hört auf, sobald sie fertig sind.

Am Morgen spielten diese beiden conejos noch vergnügt im Garten...
Außerdem besorgte Elena extra zwei cuyes... die spielten in einem Kartoffelsack
Kommt man zurück, bemerkt man in der Spüle ein weißes, nacktes, totes Ding. Kaninchen "Grau" hatte seinen Spielgefährten verloren.

Bei den Meerschweinchen "durfte" ich (auf meinen Wunsch hin) von Anfang an dabei sein und beobachtete, wie Alonso zuerst das eine, dann das andere Meerschweinchen der Länge nach festhielt, während Elena die Kehle aufschnitt. Die Tierchen taten keinen Mucks, zappelten, während das Blut herauslief noch kurz mit den Vorderbeinchen und erstarrten kurz darauf. Wurden daraufhin in heißem Wasser gebadet, um das hellbraune Fell abzupfen zu können. Dann aufgeschnitten, um die Eingeweide zu entnehmen, die in ein Eimercfhen gekippt wurden. Ein Festmahl für den Nachbarshund. Eines der Meerschweinchen war mit vier Babymeerschweinchen schwanger. Auch die Gebärmutter ging an den Hund.

Am Nachmittag hatte das graue Kaninchen keinen Spielgefährten mehr
Meerschweinchen in Pfanne
Schließlich suche man einen geeigneten Stock, mit dem man das Meerschweinchen aufspieße und es unter ständiger Rotation mit Fett einreibe (als Pinsel diente eine Frühlingszwiebel). Damit es schön gar wird nehme man einen Nagel und pierce das Meerschweinchen regelmäßig. Vierzig Minuten dauert es, bis man zum Essen schreiten kann. Im Grunde waren wir fast den ganzen Tag mit "Essen machen" beschäftigt, wobei Alfonsos und mein Anteil im Vergleich zu Elenas lächerlich gering war.

Meerschweinchen über Feuer und Piercingnagel in Alfonsos Hand
Kartoffeln, Mote, Avocado, Soße, Salat und viergeteiltes Meerschweinchen

Guten Appetit!

Zu jedem Essen gibts in Ecuador, glaub ich, Mote. Das ist das weiße Etwas neben den Kartoffeln. Um Mote zuzubereiten, trocknet man erst eine spezielle Sorte Maiskörner für mehrere Wochen. Dann kocht man sie gaaaaanz lange unter gaaaaanz geringer Hitze. Ich ess ja alles, auch Mote, aber Mote schmeckt ein bisschen wie aufgeweichte Kartonagenfabrikabfälle. Mit Salz gehts besser. Am nächsten Tag gab es die Mote-Reste dann mit Knoblauch, Zwiebel und Gewürz gewürzt, was schon sehr viel leckerer war. Alfonsos Cousin mit Familie, die auch eingeladen waren, kamen leider nicht; keiner wusste warum und anrufen geht ja nicht ohne Telefon. Alfonso hat zwar eins, aber der Cousin anscheinend nicht? Dafür kam ein Pastor vorbei, zufällig, und der wurde dann eben auf einen Happen eingeladen.

Wie isst man denn aber jetzt ein Meerschweinchen, um endlich die Frage aus der Überschrift zu beantworten?

Gegessen wird Meerschweinchen am Stück und mit der Hand. Das Meerschweinchen wird zunächst mit einem scharfen Messer gevierteilt. Kopf. Vorderteil. Mittelteil. Hinterteil. Dem Gast gebe man nicht den Kopf. Diese von mir gerade eben erfundene Regel haben Alfonso und Elena zum Glück befolgt. Elena aß den Kopf. Auch die Augen. Und auch die Pfötchen mit den Krallen haben wir gegessen. Das Auseinanderpflücken kann ganz schön arbeitsintensiv sein, besonders wenn man sein erstes Meerschweinchen isst und nicht so genau weiß, wo man wie zugreifen und zubeißen soll. Die Hände sind die ganze Zeit fettig und ich hab dann immer diesen Zwang, sie ganz schnell wieder abzuwischen. Geht aber mit den Servietten in Lateinamerika nicht wirklich, denn die sind in etwa so saugfähig wie Laminierfolien. An der Jeans? Ich hab doch nur eine! Und siehe da, irgendwann gewöhnt man sich dran: Fettige Hände sind gar nicht so schlimm. Mote, Kartoffeln und Salat schaufelt man sich irgendwann auch mit den Händen rein. Und wie es überhaupt geschmeckt hat? Lecker. Intensiv. Sehr stark fleischig. Manche sagen, ein bisschen wie Hühnchen. Fand ich aber nicht. Viel fettiger, viel kräftiger. Vielleicht ein bisschen wie Krustenbraten.

Würdet ihr Meerschweinchen essen?

Aber ich bin doch gar nicht mehr in Otavalo...

Zeitsprung ins heute. Es ist der 13. November, 15:33 Uhr, die obige Episode aus meinem Leben bei Familie Alfonso hat sich vor über drei Wochen abgespielt! So gern würd ich euch berichten, wie begeistert Andy mit meinem Handy Angry Birds und Cut the Rope gespielt hat; Dragon, Fly hat er nicht wirklich verstanden. Dass die indios nicht spanischsprachig aufwachsen sondern Quechua (bzw in Ecuador: Quichua) sprechen und castellano erst in der Grundschule lernen. Dass die Indios, die ich in Otavalo kennengelernt hab unendlich fromm und religiös sind und jeden Sonntag sechs Gottesdienste hintereinander abgehalten werden müssen, damit alle Einwohner La Compañias den Worten des Pastors lauschen dürfen. Dass der Pastor 30 Jahre alt ist und am Mittwoch Abend in North-Face-Weste und Baggy Jeans einen kleinen Bibelkreis in der Laube hinter Alonsos Haus gehalten hat und auch für mich, für meine sichere Reise und meine sichere und gesunde Rückkehr nach Deutschland gebetet hat. Oder wie Andy in einem rosaroten Eimer jeden Tag, abends, bei der Kirche in den Ritzen bei den Steinen, Käfer gesammelt hat, die geröstet oder frittiert delikat sein sollen, sagt er (ich hab keine probiert).

Wie ich in Quito, etwa eine Woche später, mit Fieber und Schüttelfrost aufgewacht bin und fast nicht von meinem Stockbett im Hostel runterklettern konnte, und das ganze genau drei Wochen, nachdem ich in einer Malariaregion war und mir deswegen etwas unwohl war. Und ich ins Krankenhaus bin. Und ich dort behandelt wurde wie ein König. Mir Gatorade zu trinken gegeben wurde. Und auf der Rechnung sogar das Holzstäbchen, mit dem señor medico meine Zunge nach unten gedrückt hat, aufgetaucht ist. Malaria hatte ich nicht. Aber der Fisch vom Vortag war mir wohl nicht so gut bekommen. Fisch gibts deswegen ab jetzt nur noch an der Küste.

Damit hätte ichs ja doch berichtet.

Wo bin ich? In Lima, der Hauptstadt Perus, kurze Zwischenstation bevor es nach Cusco und Macchu Picchu weitergeht.

Keine vier Wochen mehr und ihr müsst mich wieder ertragen. Ich freu mich auf Zuhause. Wünsche euch allen einen schönen Sonntag Abend beim Tatort gucken oder was ihr auch sonst immer treiben mögt und verabschiede mich mit vielen peruanischen Grüßen und hoffe, euch Südamerika wieder ein Stückchen näher gebracht zu haben. Würde mich auch sehr freuen, wenn ihr mir Stuttgart wieder ein bisschen näher bringt. Wie war das Wochenende? Und die Woche davor? Und die Woche vor der Woche davor? Und überhaupt? Und nach wie vor freu ich mich auch sehr über Feedback zum Blog.

Passt alle gut auf euch auf.

Euer Matthias

P.S.
Noch einige Impressionen aus meinen zwei Tagen bei Alfonso.
Bibelstunde in der Laube
Links: Pastor. Rechts: Mädchen.
Dusche in Otavalo. Der Hebel links, der aussieht, als wäre er Teil eines elekrischen Stuhls gibt Strom für Heißwasser frei. Man sollte nicht versuchen, wenn der Strom fließt, am Wasserhahn zu drehen (so wie ich es versuchte), sonst bekommt man einen bzzzzzzzt
Familie Alfonso. Nur Ayarik versteckt sich. Das war kurz vor meinem Abschied.
Einfach zu putzig... nein?



Friday, November 4, 2011

Drogen erschnueffeln einmal anders: Der Weg nach Ecuador

Ein Lebenszeichen! Genau zwei Wochen seit dem letzten Eintrag! Alle meine Vorsaetze, hauefiger mal was Neues zu schreiben fuer die Katz!

Aber warum schreib ich ueberhaupt ein Blog, anstatt euch persoenliche Nachrichten zu schicken? Weil ich das weniger aufdringlich finde? Weil ich ein grosses Mitteilungs- oder Geltungsbeduerfnis habe? Weil ich moechte, dass die ganze Welt mir zuschauen kann? Um meine Erinnerungen fuer mich selbst zu konservieren? Um anzugeben? Weil ich zeigen will, wie Web 2.0 ich bin? Um zu inspirieren? Um eure Lust am Reisen zu wecken? Um mit euch in Kontakt zu bleiben? Vielleicht ein bisschen von allem, denn ganz genau weiss ich das selber auch nicht, aber sitze mit einem breiten Grinsen vorm Rechner hier im Hostel im Quito, habe Spass beim Schreiben und hoffe, dass ihr auch Spass beim Lesen habt.

Gerade erst in Ecuador angekommen, bin ich auch fast schon wieder weg. In zwei Stunden fahr ich weiter an die peruanische Kueste nach Máncora, moechte euch aber haeppchenweise von alldem berichten, was mir berichtenswert erscheint. Hier kommt also der erste Happen.

Medellín - Ipiales - Otavalo in nur 30 Stunden
Lange Busfahrten sind fuer mich ja nichts Aussergewoehnliches mehr. Nach zweitaegigem Aufenthalt in Medellín (geplant war nur einer, aber ich habs geschafft, einen Bus zu verschlafen) wartete die Strecke Medellín - Ipiales auf mich. Die routinemaessigen Polizeikontrollen in der Pampa sind ja nicht neu, das aber schon: Der Beamte ging erstmal von vorne bis hinten durch den Bus, schuettelte allen PassagierInnen die Hand, wuenschte einen guten Abend, fragte nach dem allgemeinen Wohlbefinden und wollte erst danach die Ausweise sehen. Leider war das nicht der einzige Stopp. Mitten in der Nacht hielten wir auf offener Strecker, aus unerfreulichem Anlass. Zwei junge Maenner lagen neben dem Bus auf der Strasse, vor ihnen ein Motorrad. Einer davon mit Helm, aus dem Kopf blutend, ein anderer zehn Meter dahinter, den Unterarm um 90 Grad in die falsche Richtung gebogen. Unser Busfahrer rief den Krankenwagen, die beiden wurden (lebendig) abtransportiert und sind inzwischen hoffentlich wieder einigermassen wohlauf.

Mein hell erleuchtetes Gefaehrt. Links daneben Mateo. Viele Autos und fast alle Busse haben ganz viele bunte Blinklichter.
Huebsch und stilvoll eingerichtet. Gemuetlich. Dazu meistens Splatterfilme.
Sonnenaufgang. Nur noch wenige Stunden bis Ipiales, der Grenzstadt zu Ecuador auf kolumbianischer Seite. Dort steigt man am Busbahnhof aus dem Bus aus und hat erstmal ueberhaupt keine Ahnung wohin; es sei denn, man trifft zwei nette Kolumbianer (Mateo und Valentino) die sich mit einem das Taxi zur Grenze teilen. Dann versucht man Geld zu wechseln. Am besten bemerkt man rechtzeitig, dass der Taschenrechner des freundlichen Geldwechslers freundlich zum Geldwechsler ist und reisst ihm das eigene Geld schnell wieder aus der Hand, bevor er es einstecken kann.

Die naechste Huerde heisst Zoll. Weil Mateo Metal hoert, zudem auch noch aussieht, wie jemand, der Metal hoert, Valentino kurz rasierte Haare hat und die beiden aus Kolumbien kommen werden sie von den ecuadorianischen Grenzbeamten einer Sonderbehandlung unterzogen. Denn das kleine Einmaleins der Vorurteile sagt uns, dass aus Kolumbien genau drei Dinge kommen: Shakira, Kaffee und Drogen.

Der kleine dicke Zollbeamte traegt ueber einem fleckigen lila Spruch-T-Shirt eine netzartige Uniform. Er bittet uns freundlich in sein Revier, in dem der Putz von den Waenden abbrockelt und seine Kollegen im Nebenraum viel zu laut Radio hoeren. Dort beginnt er, das Paket der beiden kolumbianischen Jungs auseinanderzunehmen. (Strassen-)Hunde gibt es hier zwar jede Menge, aber scheinbar keine Drogenspuerhunde, also steckt er sein feines Naeschen in die Puppen, Baukloetze und Unterhosen hinein, soweit es geht, nimmt jeweils einen tiiiiiiefen Zug, ueberlegt kurz, ob er jetzt was erschnueffelt hat, schnueffelt ggf. ein zweites Mal und legt den fuer drogenfrei befundenen Gegenstand dann beiseite. Es scheint ihm Spass zu machen. Schliesslich duerfen Valentino und Mateo sich auch noch vor ihm nackig machen. Ich muss nicht. Bei mir will er nur kurz in mein kleines Taeschchen reingucken bittet mit Erstaunen um eine kurze Vorfuerhung des Kindle.

Wir ueberschreiten zu Fuss die Grenze. Auf der anderen Seite geht es wieder per Taxi ("cuatro dollaritos!" - in Ecuador haengt man einfach an jedes Wort -ito oder -ita an, dann klingts viel schoener) weiter, ins Grenzstaedtchen auf ecuadorianischer Seite, husch husch in den Bus und weiter bis Otavalo. Mateo und Valentino immer noch an meiner Seite, haetten wir nach zehn Minuten fast schon wieder aussteigen muessen. Die ecuadorianischen Antinarcóticos hatten an Mateos Impfpass(!) etwas auszusetzen und wollten ihn erstmal dabehalten, gegen eine sofort faellige "Gebuehr" in Hoehe von $10 (jener Art, fuer die keine Quittung ausgestellt wird) durfte er dann aber doch weiterfahren. Und ich den zweiten Sonnenuntergang in Folge hinter den Fensterscheiben eines Buses erleben.

 Valentino und ich. Da sind wir schon drin, in Ecuador.
In Otavalo, einem 50.000-Einwohner-Staedtchen noerdlich der Hauptstadt Quito, sprang ich aus dem Bus, flitzte in der Dunkelheit durch die Straesschen, auf die Suche nach einem billigen Hotel, fand ein billiges Hotel (das El Geranio) und war froehlich und voller Vorfreude auf die erste Nacht in Suedamerika, die ich in meinem ganz ganz ganz eigenen Zimmer mit eigenem Bad und eigenem Klo verbringen durfte. Am Tag darauf sollte ich Alfonso kennenlernen...

Und weiter?
Ueber das Leben mit einer Indio-Familie, wie man richtig Meerschweinchen isst, evangelische Pastoren in North-Face-Jacke und Baggy-Jeans und meinen kurzen Krankenhausbesuch in Quito gibt es dann beim naechsten Mal mehr, wenn es wieder heisst: a maetsches gucha musto.


Passt auf euch auf und habt ein schoenes Wochenende! (Und schickt mir den neuesten Gossip aus Stuttgart.)

Euer maetsches