Saturday, October 1, 2011

Medellìn: Pablo Escobar ist tot

Hola, Hallo und guten Morgen. Es ist Samstag frueh, gerade laufen in Deutschland die Samstagnachmittagspiele und auch dass der VfB gewonnen hat ist mir gestern nicht entgangen, dank Sebas Liveticker und einem mehr oder minder gut funktionierendem Livestream. Auch wenn ich ein paar Tage nicht geschrieben hab: So schnell werdet ihr mich nicht los. Bogotà liegt schon seit knapp einer Woche hinter mir; am Sonntag Abend bin ich mit dem Bus von Bolivariano die 244km nach Medellìn gefahren. Medellìn ist hier:

(Und wenn das so funktioniert, wie ichs mir vorstell, koennt ihr ueber die Karte meine Route auch in Zukunft ungefaehr nachverfolgen. Dank Google Maps, der Travel Blog App fuer Android und Dropbox.)
 
Eine Busfahrt die ist lustig...
Eigentlich wollte ich ja schon Sonntag Mittag losfahren, aber entgegen meiner Annahme dauert die Fahrt von Bogotà nach Medellìn eben nicht drei oder vier, sondern knapp zehn Stunden. Wenns dunkel ist - dunkel wird es hier jeden Tag um 18.30 Uhr, Jahreszeiten gibt es keine, sondern nur "nass" und "trocken" - nimmt man fuer laengere Strecken besser ein Ruftaxi. Den Ruftaxifahrer hab ich schon erspaeht, als ich an der Strasse stand und wartete. Er versuchte mich auch zu erspaehen, mit einem ueberdimensional grossen und sehr hellen Handscheinerfer, mit dem er die Hausnummer suchte.
Abschied nehmen von "meiner" WG in Bogotá (v.l.n.r. bekannt, Natalia, Diana, Carlos, nicht im Bild: Diego). Meine niegelnagelneuen tollen T-Shirts hab ich allerdings dort vergessen.

Das Adresssystem funktioniert folgendermassen: In jeder Stadt gibt es Calles und Carreras, aehnlich der Avenues und Streets in New York sind die meistens Gitternetzlinienfoermig aufgebaut. Hausnummern gibt es nicht direkt so wie wir sie kennen. Eine Adresse lautet z.B. Carrera 14 # 70-58, das heisst dann, das gesuchte Haus befindet sich auf Carrera 14, zwischen Calle 70 und 71, 58 Schritte entfernt von Calle 70. Mensch weiss also immer genau, wie weit er es noch nach Hause hat. Traumhaft einfach. Traumhaft genial.
Um noch ein bisschen weiter abzuschweifen, von dem wo ich hinwill, ein Foto:
Eine typische Schnellstrasse in Kolumbien?

Mein erstes Foto in Medellín. So oder so aehnlich sieht es sonntags in vielen Staedten Kolumbiens aus. Die Hauptstrassen werden fuer Autos geschlossen und die fahrradfreundliche Stadt (Hallo Stuttgart!) wird Realitaet. Gefaellt mir, hab nur leider kein Fahrrad zur Hand, hoffe aber, bald mal wieder auf einen Drahtesel aufspringen zu duerfen. (Nur damit hier kein falscher Eindruck entsteht: Ausserhalb dieser Zeit muss man lebensmuede sein, um sich hier aufs Fahrrad zu setzen, auch wenn es hin und wieder ein paar (Ueber-)Mu(e)tige gibt, die das tun. Dann bevorzugt nachts und ohne Licht. Die Strassen platzen, es ist immer laut, man faehrt wo Platz ist, die Bordsteine sind gut und gerne auch mal 30cm hoch und Vorsicht ist tendenziell empfehlenswerter als das Hoffen auf Ruecksicht. Exkurs Ende, zurueck zur Busfahrt.
Hat mit dem Text hier rein gar nichts zu tun, aber wollte ich euch aus Gruenden meiner Haltung im Flug nicht vorenthalten. Ueber Bogotá auf dem Berg Monserrate, mit Aaron, Leidy und Luisa.

Wenn man den Warnungen von Reisefuehrern und auch so manchen Einheimischen glaubt, lauern in jedem Bus und an jedem Halt Mord- und Totschlag oder aber zumindest uebelriechende Gesellen auf dem Platz neben einem selbst. Ganz so schlimm kam's nicht, ich sass neben einer 27-jaehrigen Medizinerin (die nicht uebel roch), doch zu meiner rechten befand sich das Baño, dessen Tuere nicht richtig schloss (und welches sehr uebel roch). Auf den Paessen durch die Anden schliesst man dann einfach die Augen, wenn man entgegenkommende Lastwaegen im mit gefuehlt einer Hand breit am eigenen Bus vorbeirauschen sieht, haelt sich die Ohren zu, waehrend El Transportador 3 gezeigt wird, versucht ein bisschen zu schlafen (schreckt aber wegen Klogeruch und -tuer immer wieder auf) und kommt am naechsten Morgen puenktlich (es gibt keine festgelegten Ankunftszeiten) an und freut sich auf ein Wiedersehen mit Doro aus Australien.


In Medellìn
So ist das, wenn ich schreibe. Hier wollte ich anfangen, aber jetzt steht schon jede Menge Text oben drueber. Das muss in der Familie liegen, dass ich mich nicht kurz fassen kann... ;-))
 
In Doro und Kenjis Wohnung im Casa Mayde Hostel
In Medellín, der zweieinhalb-Millionen-Stadt noerdlich der Zona Cafetera angekommen, erwarteten mich Doro und Kenji schon. Bis Anfang der 1990er-Jahre war Medellín eine absolute No-Go-Zone fuer Gringos; zumindest beschreibt das mein Reisefuehrer, das South American Handbook, so. Das aenderte sich erst als Pablo Escobar, zu seiner Zeit der groesste Drogenhaendler und laut Forbes-Ranking die siebtreichste Person weltweit Ende 1993 getoetet wurde. Beim sozial benachteiligten Teil der Bevoelkerung Medellíns war er scheinbar als ein moderner Robin Hood recht beliebt, was nicht davon ablenken soll, dass er sehr viel Dreck (und viel Blut) am Stecken hat(te).
Doro und ich haben uns 2005 in Melbourne kennengelernt und hatten uns zunaechst ganz gut verstanden gehabt, weswegen wir dann auch zusammen in einem Auto nach Adelaide fuhren, haben uns aber aufgrund von diversen Zickereien und Provokationen immer weniger gut verstanden (und gingen in Adelaide dann getrennte Wege), verstehen uns jetzt aber wieder wunderbar, was hoffentlich auch so bleibt. Hier wohne ich jetzt also seit Sonntag, auf einer eigenen Matratze auf dem Boden in einer kuscheligen Ein-Zimmer-Wohnung direkt in der Zona Rosa, wo es tagsueber laut (Verkehr) und nachts noch lauter (Partyvolk und Livemusik vor, unter, neben und gegenueber unserer Fenster) ist. Gefeiert wird hier sowieso jeden Tag, auch an Tagen, die nicht auf -g Enden.
Blick ueber Medellín mit Erfrischungsgetraenk

Tourismus- und Freizeitmanagerin (unter anderem) Doro hatte auch schon einen Sightseeing-Wochenplan fuer uns zusammengestellt, den wir mehr oder minder diszipliniert eingehalten haben. Eines der Highlights, bei dem die Planerin aber leider aufgrund universitaerer Verpflichtungen gar nicht dabei sein konnte, war die Fuehrung durch die 3 Cordilleras Brauerei. So wurde das ganze zumindest angepriesen. In Wirklichkeit war es eine Party im Brauhaus, bei der es zwischendrin eine kurze "Fuehrung" gab.
Kenji, May und ich in der 3 Corilleras-Brauerei

Die Fuehrung bestand darin, dass sich eine junge Frau mit Mikrofon vor die versammelte Menge stellte und auf Spanisch etwas ueber die Brauerei erzaehlte, was keiner verstand (ich schon gar nicht). Daher unterhielt ich mich waehrend der Tour auch mit einigen Kolumbianern ueber Fussball. Nach der ersten Station lief die junge Frau, die unsere Fuehrung moderierte (Fuehrerin geht mir nur sehr schwer ueber die Tastatur) zehn Meter weiter, zur zweiten Station und begann erneut, zu erzaehlen. Dann war die Tour zu Ende. Die Brauerei war also etwas kleiner, als ich das von Brauereien in Deutschland gewoenht war: Im Grunde ein grosser Raum mit Partyecke und Bueros oben drueber. Das Bier (Empfehlung: 3 Cordilleras Mulata) war irrsinnig lecker und der ganze Spass war mit 15000 Kolumbianischen Pesos (knapp 6 EUR) fuer sechs Bier auch ein echtes Schnaepple!
Brauereifuehrung
Zu guter letzt noch ein paar bewegte und mit Ton unterlegte Eindruecke der 3 Cordilleras-Brauerei. Livemusik fast den ganzen Abend und eine feiernde Meute. 3 Cordilleras hat gestern naemlich Geburtstag gefeiert.

(1) Sweet Child of Mine


 (2) Froehlichsein auf Kolumbisch


Hoffe, euch einen kleinen Eindruck gegeben zu haben, wie es mir hier so geht und was ich hier treibe. Uebrigens: Zu eurer rechten solltet ihr jetzt ein Feld sehn, in dem ihr eure E-Mail-Adresse eintragen koennt um ueber Aktualisierungen informiert zu werden. Oder aber, ihr geht mit der Zeit und abonniert den RSS-Feed. Oder aber, ihr tut einfach gar nichts. Wie dem auch sei: Ich freue mich immer noch ueber Post und Alltagsgeschichten von zu Hause und hoffe, dass Stuttgart noch steht, wenn ich wiederkomme.

Ein schoenes Restwochenende wuenscht euch allen
Euer Matze

3 comments:

  1. Falls die Videos nicht funktionieren sollten bitte ich um entsprechendes Feedback. Danke!

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  2. Super blog weiter so - wir kommen gerade aus Nordamerika und verfolgen Dich in Südamerika - voll toll ;D
    Grüße David (und Nora)

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